Auf Entdeckungstour in Park City

A walk in the park

Ich war neugierig, ob Park City, das laut Forbes Magazin (Stand Winter 2015/2016) das Skigebiet Nummer eins in Nordamerika sein soll, meine „kleine“ Checkliste erfüllen würde:

Skifahren in Utah, der Salzsee, bei den Mormonen, bei den Trappern und Goldgräbern, in einer kleinen Bergbausiedlung, die verschneiten Rockies, Saloons, Gold, Blizzards, zugefrorene Täler, Bären, Indianer, Pumas und Kojoten. Ok, meine Phantasie ist da ein bisschen mit mir durchgegangen, als ich Park City auswählte.

Erste Eindrücke von Park City

Da ich mir diese Vorstellung nicht zerstören wollte, habe ich mich überraschen lassen.

Fortuna beschränkte sich bei meinem ausgedehnten Flugerlebnis auf das Wesentliche. Nach einer Odyssee durch die USA landete ich endlich im nächtlichen Salt Lake City. Ich fuhr mit dem organisierten Transfer, vorbei an dem in der Ferne hell erleuchteten, goldschimmernden Mormonentempel, der in seinen Ausmaßen so aussah, als müsse er durch die bloße Größe die Standhaftigkeit seines Glaubens repräsentieren, in die Bergwelt der Rockies Mountains. Der Bus ächzte bei jeder Steigung. Es erinnerte an ein sich aufopferndes Muli, das sich durch die mit Schnee bedeckten hellblau leuchtenden Berge, hinein in die pechschwarze Nacht schleppt.

Weit nach Mitternacht erreichte ich das Canyon Village im scheinbar weniger belebten Teil des Park City Ski Ressorts. Von den Annehmlichkeiten meines Hotelzimmers im Grand Summit wurde ich angenehm überrascht. Kamin, Balkon – und alles was man sonst so braucht!

Ehrlich gesagt hätte ich vorab nicht gedacht, dass drei Tage Park City so viel Spaß bieten würden.

Doch die Menschen, die ich vor Ort treffen durfte, haben meinen Aufenthalt mit ihrer herzlichen und offenen Art zu einem tollen Urlaub werden lassen. Nicht zuletzt dank der beeindruckenden Landschaft, den vielschichtigen Freizeitangeboten.. und natürlich Skifahren. Denn Park City IST Skifahren.

Da ich bis dato nur auf Langlaufskiern stand, kannte ich nur die Zahlen. Die Pisten des Skigebietes sind zum Großteil für Fortgeschrittene oder für Experten ausgelegt.
Zum Glück wurde mir ein erfahrener Skilehrer zur Seite gestellt, der ein wahrhaftes Talent hatte, Menschen dazu zu motivieren, Abfahrten hinunterzufahren, die man sich ansonsten niemals zutrauen würde. Nach den ersten, wackeligen Versuchen war ich dann so weit, und konnte schon am Nachmittag einen Teil von „The Meadows“ abfahren. Die Mission in „The Canyons“ Ski zu fahren war somit abgehakt.

Bilder:
© Lobby: Grand Summit
© Stadt bei Nacht: Dan Campbell / Park City
© Bar: Stein Eriksen Lodge

Zwischen Höhenluft und Après Ski

Dabei fiel mir auf, dass man, um in dieser Höhe Ski zu fahren, eine gute Kondition mitbringen sollte, da man sich auf einer Höhe von 2.100 bis 3.300 Meter bewegt.

Wer bisher nicht glaubt, dass Höhenmeter nicht auf den Kreislauf gehen, sollte in dieser Höhenlage mal 200 Meter bergauf laufen.

Allerdings belohnt diese Höhe bei klarer Sicht mit einer fabelhaften Aussicht. Bei Liftfahrten erhält man den Eindruck, wie die ersten Siedler hier im Winter durch das unerschlossene Gebiet Bären jagten oder auf die Ureinwohner trafen. Mit den Gondeln und Lifts fährt man über Schluchten, bei denen man dann sehr tief in den Abgrund schaut. (Wenn die Gondeln stoppen, mit dem Wind schaukeln, man sich mit seinen Mitfahrern versteht, man dann einfach schunkelt, man dann einfach seekrank wird!).

Die nächste sportliche Herausforderung war Park City, also die andere Seite des Berges. Rein theoretisch kann man vom Canyons Village mit den einzelnen Lifts und Pisten nach Park City in die Base Area fahren. Jedoch ist die Busverbindung für Anfänger wie mich dann wesentlich einfacher.
„Park City“ bietet im Gegensatz zu den „The Canyons“ mehr Auswahl für Anfänger, die sich einfache Pisten zutrauen. Und diese lassen sich dann wie beim „Homerun“ fast von der Bergspitze bis ins Tal fahren. Um ehrlich zu sein schlich sich das Gefühl bei mir bei zunehmender Fahrt ein, ob das Ganze ein so guter Einfall war, da das #Hashtag auf unserer Fahrt mit dem Lift „#Skilunfälle“ thematisierte. Nachwirkend war das vielleicht keine brillante Idee. Da sich die Pisten teilweise überschneiden, konnte ich auch die Strecken für Experten sehen. Ich möchte an dieser Stelle meinen Respekt für die Experten aussprechen. Da… würde ich nie runterfahren!

Wer abseits der Pisten nach Aktivitäten sucht, kann neben dem klassischen Langlauf auch den Alpine Coaster Ride ausprobieren. Im Prinzip ist das eine auf Stahlschienen befestigte Rodelbahn, die aber großartigen Spaß bereitet. Besonders mit zwei Personen, da sich das Gewicht und somit der Schub und die Fliehkraft erhöht (falls Sie einen Bären finden, sollten sie ihn vorne einladen. Falls er Sie auf der Fahrt fressen will, können Sie ihn ja bei der nächsten Kurve ausladen. Ich habe leider keinen gefunden. Echt schade!).

Alternativ kann man natürlich, hier sei gesagt, dass Salt Lake City mal die olympischen Winterspiele ausgetragen hat, auch die richtige Rodelbahn ausprobieren.

Bilder:
© Straße bei Tag: Utah Office of Tourism
© Gondel: Andrew Branden / Vail Resorts
© Straße bei Sonnenuntergang: Mark Maziarz / Park City

Das Nachtleben in Park City

An den späten Nachmittagen kann man den „Atem der Engel“ genießen. So wurde der Schwund beim Reifungsprozess von Whiskey von den Mönchen in Schottland bezeichnet.

Whiskey wird in verschiedenen Holzfässern gelagert – und da Holz atmet, verliert sich der Inhalt von Zeit zur Zeit. Ich finde dies eine ausgezeichnete Ausrede um in aller Ausführlichkeit die verschiedenen Jahrgänge und Destillate zu verkosten oder den Nachmittag gehaltvoll, im Sinne eines gepflegten Après Skies, ausklingen zu lassen. Letzteres wurde von den schottischen Mönchen mit einer anderen Bezeichnung zu Genüge getan.

Den Ort über den ich gerade sinniere, ist das High West, eine Destillerie mit einer Bar, die sich, als Erste nach der Prohibition, auf den wertvollen kulturellen Beitrag der Whiskey- und Wodkadestillisation verschrieben hat und die einen Ausflug wert ist. Man kann die Besitzer nur beglückwünschen aus einem ehemaligen Mietstall, eine lokale Institution erschaffen zu haben, die neben der Auswahl an verschiedenen Cocktails, Longdrinks und der puren Verkostung, eine Führung durch das Allerheiligste – dem Einblick in die hohe Kunst des (Schwarz)Brennens anbietet.

Wer es uriger haben möchte und das Feste dem Flüssigen vorzieht, dem kann man das „Snowed Inn“ empfehlen. Das Inn entspricht eher einer „Barn“, doch da es mitten in den Bergen liegt und nur zu Fuß oder mit einem Pferdeschlitten erreichbar ist, trifft das Erstere wohl zu.

Dazu wird eine Tour mit dem Pferdeschlitten angeboten, die durchaus empfehlenswert ist. Während der Fahrt witzelten wir, ob es in der Region noch Pumas oder Bären gibt und versicherten uns im Anschluss, dass die Pferde dies zuerst merken würden. Eine perfekte Geschichte, die dann beim Abstieg, sofern man diesen alleine macht, seine volle Wirkung durch das Rascheln und Knacken des Waldes ausbreitete.
Kulinarisch jedoch hätte sich Budce Spencer bei klassischer Western-Kost im Snowed Inn perfekt aufgehoben gefühlt. Man hält sich an Altbewährtes und Country Music im Scheunenambiente. Da hatte nur noch Square Dance gefehlt und das Heulen der Kojoten.

Bilder:
© Dämmerung: Park City Info
© Restaurant: Montage Deer Valley
© Skikurs: Vail Resorts

Insider-Tipps

Eine weitere Alternative bietet das „Zoom“, das vielleicht bei den filmversierten Skireisenden bekannt sein dürfte, da es sich um das Restaurant von Robert Redford handelt und nicht nur während den Sundance Film Festival regelmäßig von Künstlern besucht wird.

Die Küche und die Bar sind umfangreich und gut. Das Ambiente gediegen.

Das Nachtleben ist in Park City speziell. Beziehungsweise falls man nicht lieber den Abend in einem Hot Tub ausklingen lassen möchte, so ist die Politik des „Last Call for Alcohol“ oder auch das Mitführen eines Ausweises Pflicht.

Nach einer ausführlichen Visite der lokalen Gegebenheiten durfte ich Lokalitäten wie das „Boneyard Saloon“ und „Kitchen“ entdecken. Doch als ich hörte, dass es eine Raucherbar in Park City gäbe, war ich an einen Besuch besonders interessiert. Der „No Name Saloon“ ist ein klassischer unauffälliger Rotklinkerbau. Auf zwei Ebenen haben die Besitzer über die Jahre nicht nur allerhand Kuriositäten an die Decke drapiert, sondern können auch mit einem beachtlichen Repertoire an Geschichten über Stars und Sternchen brillieren, die über die Jahre den No Name Saloon besuchten. Die zweigeschossige Bar macht im Erdgeschoss eher den Eindruck des „Hogs & Heifers“ – abgesehen von den Büstiers und den Showeinlagen des Personals, dass die New Yorker Bar berühmt machte – und das Obergeschoss mit seiner nicht rauchfreien Terrasse. Falls man nach der Sperrstunde, also nach ein Uhr morgens, immer noch Energie haben sollte, um das Nachtleben zu erkunden, wird dies schwieriger.

Alternativ kann man sich jedoch auf der beheizten steinernen Bank solange ausruhen, bis ein Taxi kommt.

Mit dem Karaoketaxi kann man dann lautstark zu seinem Hotel gebracht werden.

Abschließend denke ich noch einmal darüber nach, was ich mir am Anfang ausgemalt hatte.

Ich war Skifahren in Utah, in der Nähe des Salzsees, willkommen bei den Mormonen, trinken bei den Trappern und Goldgräbern, genoss das Nachtleben einer kleinen Bergbausiedlung, sah die verschneiten Rockies, rauchte in Saloons und zählte mein Gold, bei dem offenen Kamin fehlte mir ein Blizzard, sah zugefrorene Täler, fuhr fast Roller Coaster mit Bären, traf Indianer und hörte das Heulen der Kojoten.

Bilder:
© Pferdeschlitten: Mark Marziaz / Steinlodge
© Gruppe: Vail Resorts
© Hotel: Grand Summit

Skiurlaub in den USA und Kanada